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Stand: 20.03.2015

Pressemitteilung

Mehr als ein Drittel der ratsuchenden Schwangeren hat einen Migrationshintergrund

Die katholische Schwangerschaftsberatung in Rheinland-Pfalz hat im Jahr 2015 rund 8700 Frauen und rund 100 Männer beraten. Dabei ist der Anteil der asylsuchenden Frauen aufgrund des vermehrten Zuzugs von Flüchtlingen in 2015 stark angestiegen. Eine detaillierte Auswertung der Statistik der Schwangerschaftsberatung liegt nun vor und beschreibt die Tendenzen und Herausforderungen in der Arbeit mit schwangeren Asylsuchenden.

 

Mehr als ein Drittel der ratsuchenden Schwangeren hat einen Migrationshintergrund

Der Anteil der nichtdeutschen Frauen in der Beratung lag nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der Caritasverbände in Rheinland-Pfalz bei 3060 Frauen, also 36,1 Prozent und damit um 4,6 Prozent höher als im Vorjahr. Der höchste Anstieg war bei den Frauen aus dem nichteuropäischen Ausland, also auch aus Syrien, zu verzeichnen. „Erfahrungsgemäß steht bei schwangeren Asylsuchenden zu Beginn der Beratung die Schwangerschaft nicht im Mittelpunkt. Oftmals wurden sie ungeplant schwanger, weil sie auf der Flucht keinen Zugang zu Verhütungsmitteln hatten, weil sie da Kurzbeziehungen eingegangen sind oder weil sie vergewaltigt wurden“, listet der Bericht der Caritasverbände Limburg, Mainz, Speyer und Trier die Gründe auf. „Oft bestand die Schwangerschaft bereits vor Fluchtbeginn. Viele Frauen sind nach der Geburt alleinerziehend. Sie haben keine Sprachkenntnisse, leben in beengten Wohnverhältnissen in Erstaufnahmeeinrichtungen oder Gemeinschaftsunterkünften und verfügen über geringe finanzielle Mittel“, so die Caritas. Die Lebenssituation der Frauen sei bestimmt von den Umständen der Flucht, dem Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit, dem Verlust der Heimat und der Aufgabe der Neuorientierung.

Für die Beraterinnen stellen sich durch die verstärkte Nachfrage nach Beratung durch geflüchtete schwangere Frauen neue Herausforderungen, vor allem im Hinblick auf die Sprache. „Verständigung gelingt durch den Einsatz von Bildmaterial, durch sehr einfache Sprache, durch Beratung in einer Fremdsprache, die sowohl die Beraterin als auch die Frau beherrscht oder durch übersetztes Infomaterial“, schreiben die Caritasverbände. „Auch die Einbindung von mitgebrachten Dolmetschern, die oft Familienangehörige seien, ermöglicht die Verständigung, bringt aber das Problem der Qualität der Übersetzung mit sich und beinhaltet Unsicherheit bei der Frage, was der Dolmetscher vielleicht aus kulturellen Gründen nicht übersetzen möchte.“ Hier sieht die Caritas die dringende Notwendigkeit, regionale Dolmetscher- und Sprachmittler-Pools aufzubauen und Qualitätsstandards für die Übersetzung zu entwickeln.

Die Verbände machen auf eine sich abzeichnende gesellschaftliche Herausforderung aufmerksam: „Die soziodemografischen Daten aus der Erhebung der katholischen Schwangerschaftsberatung machen deutlich, dass bereits heute viele Migrantinnen nicht über qualifizierte Schul- und Berufsabschlüsse verfügen. Um die damit verbundene schlechte Berufs- und Einkommensperspektive für junge Familien nicht weiter zu verschärfen, werden breit angelegte staatliche Bildungs- und Qualifizierungsangebote gebraucht.“ Auch die Versorgung mit Hebammen sehen die Caritasverbände Rheinland-Pfalz kritisch: „Die Versorgungssituation mit niedergelassenen Hebammen muss weiter beobachtet werden. Es zeichnen sich bereits erste Engpässe in der Nachbetreuung ab, da es vor dem Hintergrund der Versicherungsproblematik an niedergelassenen ambulanten Hebammen fehlt.“

Stichwort: Katholische Schwangerschaftsberatung 

In Rheinland-Pfalz gibt es 34 katholische Schwangerschaftsberatungsstellen mit 45,69 Vollzeitstellen. Das Land fördert davon 34,99 Stellen. Rund ein Viertel der Beraterinnen, nämlich 10,7 Stellen, finanzieren die vier Diözesen aus Kirchensteuermitteln. Für Frauen in Notsituationen wurden 2015 von den katholischen Beratungsstellen 3953 Hilfeanträge gestellt, davon 3097 an die Bundes- und Landesstiftung in Höhe von 2,3 Millionen Euro. 856 Hilfeanträge wurden an die Bischöflichen Hilfsfonds für Mutter und Kind gestellt, die Hilfen in Höhe 624. 000 Euro bewilligten.

Die häufigste Problemlage in der Beratung aller ratsuchenden Frauen ist die finanzielle Situation (75,7 Prozent).  

Kontakt:

Caritasverband für die Diözese Speyer

Christine Lampert

Obere Langgasse 2

67346 Speyer

christine.lampert@caritas-speyer.de
T
elefon 06232 209-120

 

 

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