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Stand: 20.03.2015

Pressemitteilung

Welche Konsequenzen hat die demografische Entwicklung für die Praxis?

Die Caritas in Rheinland-Pfalz rechnet mit einem starken Anstieg pflegebedürftiger Menschen innerhalb der nächsten zehn Jahre, darunter viele ältere Menschen mit Migrationshintergrund und eine steigende Zahl von Menschen mit Demenz. Bei einer Fachtagung in Mainz plädierte die Caritas für einen Ausbau der Angebote zur Entlastung pflegender Angehöriger zum Beispiel durch neue Wohnformen für Alt und Jung neben der bereits etablierten Tages- und Kurzzeitpflege. Auch Altenheime seien weiterhin notwendig, da Familien und Angehörige bei einem hohen Pflegeaufwand vielfach überfordert sind. Außerdem steige die Zahl allein lebender Menschen, denen im Fall starker Pflegebedürftigkeit Vereinsamung droht.

Die Caritas fordert eine offene Debatte darüber, was der Gesellschaft die Qualität in der Altenhilfe wert ist. Die Caritas kritisiert, dass die Dienste und Einrichtungen der Altenhilfe mit immer weniger finanziellen Mitteln arbeiten und dabei ständig wachsenden Qualitätsansprüchen genügen sollen. Die Caritas wendet sich auch dagegen, dass pflegebedürftigen Menschen mit geringem Einkommen vielfach keine Wahl gelassen wird, welches Hilfeangebot sie in Anspruch nehmen wollen.

Dass im Umgang mit dem Alter ein grundlegender Bewusstseinswandel notwendig ist, machte Andreas Kruse, Professor für Gerontologe an der Universität Heidelberg, deutlich. Seine Studien und Prognosen zeigten, wie drängend die demographische Entwicklung nach Antworten verlangt.

In Deutschland scheiden die Menschen im Durchschnitt mit etwa 60 Jahren aus dem Berufsleben aus. Diese Zahl sei seit den 60er-Jahren konstant geblieben. Gleichzeitig habe sich aber die durchschnittliche Lebenserwartung der Rentner um vier bis fünf Jahre erhöht. Das wirke sich vor allem auf die Ausgaben der Krankenversicherung aus. Kruse sagt einen starken Anstieg der Ausgaben für ältere Menschen in den nächsten 30 Jahren voraus.

Im europäischen Vergleich hat Deutschland den höchsten Anteil chronischer Krankheiten, und das in jeder Altersgruppe. Ursachen dafür sieht der Wissenschaftler vor allem in mangelnder Bewegung und falscher Ernährung. Seine Konsequenz ist die Forderung nach einer stärkeren Prävention.

An die Unternehmen appellierte Kruse, die Arbeitsbedingungen stärker auf die Pflege auszurichten. Das könne zum Beispiel bedeuten, dass ein Mitarbeiter, der einen Angehörigen zuhause pflegt, teilweise oder für eine bestimmte Zeit freigestellt wird. Einen weiteren Ansatzpunkt für Verbesserungen sieht Kruse in einem Ausbau der Palliativmedizin und der Palliativpflege.

Kruse rief dazu auf, negative Bilder vom Alter aufzugeben und stärker die Fähigkeiten alter Menschen in den Blick zu nehmen. „Wir sollten ältere Menschen stärker als mitverantwortliche Staatsbürger ansprechen“, ist Kruse überzeugt. Ihre Erfahrungen könnten zum Beispiel im Ehrenamt großen Nutzen bringen.

Filmbeiträge aus dem SWR-Projekt „Das dritte Leben“ illustrierten die vielfältigen Möglichkeiten, das Leben nach dem Beruf zu gestalten. Die Vorstellung konkreter Projekte und eine abschließende Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Caritas und Kirche machten deutlich, dass in den vergangenen Jahren an unterschiedlichen Orten Initiativen entstanden sind, die den Kontakt zwischen den Generationen beleben. Das Projekt „Anstoß“ der Beratungs- und Koordinierungsstelle in Rülzheim zum Beispiel bietet generationsübergreifende Freizeitaktivitäten für alte Menschen mit Behinderung an. Die Stiftung Liebenau berichtete von positiven Erfahrungen mit altersgemischten Wohnanlagen und Pfarrer Thomas Genetzky vom Aufbau eines kirchlichen Nachbarschaftszentrums in Bielefeld.

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