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Pressemitteilung

„Ich bin wieder ein glücklicher Mensch“

Land fördert Projekt „Housing First“ für wohnungslose Menschen – Ministerin Dörte Schall übergibt Förderbescheid über 200.000 Euro

Erschienen am:

28.04.2026

  • Beschreibung
Beschreibung

"Die Wohnung war das Samenkorn, aus dem für mich alles Weitere aufgegangen ist", sagt Gunter M. der erste Teilnehmer des Housing-First-Projektes des Caritas-Zentrums Landau bei der Übergabe des neuen Förderbescheids durch Sozialministerin Dörte Schall (SPD).


Obdachlosen Menschen zuerst eine Wohnung geben, ihnen beim Einzug und der Finanzierung Start- und Überbrückungshilfe zu geben, das scheint auf den ersten Blick ein Wagnis zu sein. Doch das Wagnis wird belohnt, das bestätigt der erste Kunde des Projekts, das vom Caritas-Zentrum Landau 2023 gestartet wurde und vom Land Rheinland-Pfalz gefördert wird.


Beim Besuch der Ministerin erzählt Gunter M. seine Geschichte. Nach dem Abitur war er Berufssoldat, dann studierte er, schloss zwei Studiengänge mit Diplom ab. Er war in seiner Branche sehr erfolgreich, machte sich mit einem eigenen Unternehmen selbstständig. Fachmagazine lobten seine Ideen und sein Können, wählten ihn unter die besten seines Fachs in Deutschland.

Aber wirtschaftlich hatte er keine glückliche Hand, dazu kam eine persönliche Krise. Seine Ehe ging in die Brüche, er ging in Insolvenz, entwickelte eine Alkoholsucht. Und er verlor alles. "Obdachlosigkeit passiert nicht plötzlich. Es ist ein schleichender Prozess", erklärt er. "Der Weg führt von der Couch bei Freunden zur Parkbank und von dort in den Schlafsack unter der Brücke", sagt M. Verdeckte Wohnungslosigkeit nennt Projektleiter Steffen Mather die Phase, in der Menschen sich noch von Sofa zu Sofa retten.

Der Wendepunkt kam für Gunter M. erst, als er ganz unten war. "Ich sah, dass es nicht mehr tiefer geht", erzählt er. Er lebte in der "Blechbüchse", so nennen Wohnungslose die Container mit Notunterkünften der Stadt. Dann suchte er Hilfe und fand sie bei der Caritas. Steffen Mather und sein Team besorgten ihm eine Wohnung, halfen ihm mit der Grundausstattung und übernahmen gegenüber dem Vermieter die Garantie für die Miete. So halfen Gunter M. die Fachleute, seine Probleme zu lösen, sich gesundheitlich wiederherzustellen und seine Rechte in Sachen Rente in Anspruch zu nehmen.


"Die Caritas-Leute haben mich wieder auf gesunde Füße gestellt", sagt er. Housing First ist gedacht für Menschen, die ein Jahr oder länger wohnungslos sind. Bei einem Aufnahmegespräch werden die nötigen Voraussetzungen geklärt. Es darf kein fremd- oder selbstgefährdendes Verhalten vorliegen. "Sucht ist kein Ablehnungsgrund. Im Hilfeverlauf wirken wir aber auf gesundheitliche Verbesserung hin - und somit auch auf einen gesünderen Umgang mit Alkohol und anderen Rauschmitteln", sagt Mather. "Man muss auch selber bereit sein, etwas zu tun", ergänzt Gunter M. "Man kann nicht erwarten, dass einem ein goldener Löffel in den Mund gesteckt wird." Er war bereit und ist heute sehr froh und dankbar. "Ich bin wieder ein Teil der Gesellschaft geworden, kann an sozialem und kulturellem Leben teilhaben", sagt er. "Ich bin wieder ein glücklicher Mensch." Aus Dankbarkeit berichtet er seine Erfahrungen und bietet sich auch als Ansprechpartner an, für Bedürftige ebenso wie für Behörden oder andere Institutionen, die sich aus der Betroffenen-Sicht informieren möchten.


"Eine eigene Wohnung schafft Sicherheit, Stabilität und neue Perspektiven. Genau diese gute Arbeit vor Ort sichern wir mit der Fortführung der Landesförderung", sagte Ministerin Dörte Schall im Gespräch mit den Caritas-Vertretern. Das Modellprojekt in Landau, das erste im Land, hat die Landesregierung beim Start 2023 gefördert. Jetzt hat Ministerin Schall für die Fortsetzung des Projekts eine Fördermittelzusage von rund 200.000 Euro mitgebracht - das Projekt kann weiter gehen. "Als ich am Tiefpunkt war, stand ich vor der riesigen Mauer einer uneinnehmbaren Festung. Jeder Versuch, weiterzukommen, schien sinnlos. Die Caritas hat mir gezeigt, dass es in der Mauer eine Tür gibt und mein Lebensweg weiter geht", sagt Gunter M.

Die Sozialdezernentin der Stadt Landau, Lena Dürphold, sagte: "Wir wissen, dass es bei uns viel verdeckte Wohnungslosigkeit gibt." Das belegt auch die Zahl der wohnungslosen Postkunden des Caritas-Zentrums. Diese erhalten ein Postfach, um für Behörden wie das Jobcenter erreichbar zu sein. "Umso dankbarer sind wir dem Land Rheinland-Pfalz für die Förderung des Housing-First-Projekts, das wichtige Perspektiven für wohnungslose Menschen schafft. Mit der tollen Arbeit in den unterschiedlichen Angeboten für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen stärkt die Caritas nachhaltig den sozialen Zusammenhalt in Landau."

Ministerin Schall dankte den Caritas-Mitarbeitern für ihr Engagement und ihre verlässliche Arbeit. Seit 2023 erprobt Rheinland-Pfalz den Housing-First-Ansatz modellhaft als ergänzenden Baustein der Wohnungslosenhilfe. Gestartet ist die Landesförderung zunächst mit Projekten in Landau, Koblenz und im Westerwaldkreis. Hinzugekommen sind inzwischen weitere Standorte in Neuwied und Zweibrücken. Insgesamt fördert das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung die Vorhaben mit rund 500.000 Euro jährlich.

 

Text und Fotos: Gereon Hoffmann für den Caritasverband für die Diözese Speyer

Bildtext:
von links stehend: Sozialdezernentin und Beigeordnete der Stadt Lena Dürphold, Elisabeth Traunmüller vom Caritas-Zentrum Landau, Sozialministerin Dörte Schall (SPD), Holger Maar, Caritas-Direktor Speyer.

Sitzend: links der erste Housing-First Projektteilnehmer Gunter M. und Housing First Projektleiter Steffen Mather

 

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